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Zugfahren in Myanmar

March 8, 2017

Vor Jahren schrieb ich meinen berühmten Blogeintrag über Zugfahren in Rumänien. Jetzt ist es an der Zeit, dasselbe über Myanmar, oder Burma, zu sagen: kommt her, bevor es zu spät ist. Ach was, es ist schon zu spät!

Was mir Tränen in die Augen treibt, ist die unglaubliche Nostalgie, die ich soeben beim Lesen meines Eintrags von vor sieben Jahren verspürt habe. Ja, diese Welt ist verloren. Nicht, weil die EU-genormeten Haltestellenschilder tatsächlich aufgetaucht sind. Sondern weil diese Zeit nie zurückkehren wird. Damals, mit Peti und Kati tanzend in Alvinc/Vincu de Jos. Ohne Geld, ohne Plan, nur mir der Hoffnung, es in der Nacht nach Marosvásárhely zurück zu schaffen. Aber die Erinnerung bleibt und das ist ein Trost. 

Nun also Myanmar. 

Die Haltestellenschilder hier sind so ungenormt, wie nur irgend möglich. Auch muss man, genau wie in Rumänien damals, eine vertikale Blutgrätsche hinlegen, um vom Bahnsteig aus den Fuss auf die unterste Treppenstufe des Waggons zu bekommen. Am Besten mit einem Strohhut, einem Schal und einer Jacke in der Hand, Handtasche um die Schulter und zehn Kilo Rucksack auf dem Rücken. 

Die Belohnung sind 15 Stunden pure Unterhaltung auf dem Weg von Dawei nach Mawlamyine, dem letzten Abschnitt meiner langen Reise entlang der burmesischen Südküste. Es ist ein Landesteil jenseits aller Touristenströme, die gierig das “wahre” Südostasien suchen. Das Wahre ist überall meiner Meinung nach, aber ich verstehe die Nostalgie, die auch Andere erleben wollen, wenn sie es auch in ihrer eigenen Kultur nicht mehr finden können. Für 5800 kyat, umgerechnet vier Euro zwanzig für 275km Strecke, war es für mich die bis jetzt beste Reiseerfahrung in diesem Land. 

Alle sagen, kommt jetzt, solange es so etwas noch gibt. Aber die Wahrheit ist, auch jetzt wollen die Wenigsten 15 Stunden in einem tuckernden Zug sitzen. Die Landschaft ist auch nicht so besonders. Also zu unbequem, zu unspektakulär und zu langsam für den Traveller von heute. Ich sage, selber Schuld. Man erhält für eine sehr kurze Zeit Einblicke in eine Welt, die es so nicht mehr lange geben wird, was in vielerlei Hinsicht aus Sicht der Einheimischen wahrscheinlich zu begrüßen ist. Niemand will ohne Strom und fliessend Wasser leben. Aus Aussenseitersicht ist es natürlich auch schade zu sehen, dass dörfliches Leben überall schwindet. Umso schöner, als Tourist die Gelegenheit zu haben, an diesem historischen Moment hier und jetzt teilhaben zu können. 

Ich hoffe, ihr geniesst die Bilder. Für mich war es eine unvergessliche Reise, die als Erinnerung einen Winkel in meinem Herzen ganz in der Nähe von Alvinc finden wird. 

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One Comment leave one →
  1. Anonymous permalink
    March 9, 2017 13:42

    Hali Katikám,
    szép írás. Mi emberek az emlékezés tudatával kell, hogy éljünk. Hiszen minden elmúlik egyszer. Szomorú, de egyben szép is. Kiváncsi lennék azért, vajon Erdélyben javult-e a helyzet. Mi európaiak, reméljük, itt jobb a helyzet, mint a világ más részein. Közben meg
    nem. Legalábbis a keleti részeken nemigen.

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