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Zugfahren in Rumänien

October 22, 2010
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Vor ein paar Jahren, als ich von meinem Diplomarbeitsaufenthalt in Rumänien zurückkam, habe ich mich zu einem kleinen Text hinreissen lassen. Nun, da sich mein fester Wohnsitz seit  einem Monat wieder in Freiburg befindet und mich diese Tatsache zusehends frustriert, haben das Fernweh und die Nostalgie wieder eine Chance. Deswegen jetzt der Text:

Ich rate euch allen, mit dem Zug nach Rumänien zu fahren, bevor es zu spät ist. Bevor die EU- genormten Haltestellenschilder auftauchen und die dreigeteilten Mülleimer, wo man Papier, Glas und Restmüll trennen soll. Bevor sie alles SAUBER machen und Nichtraucherwaggons einführen. Bevor aus kleinen Provinzhaltestellen, wo man beim Aussteigen einen Höhenunterschied von einem Meter und mehr überwinden muss, ein Sicherheitsrisiko wird. Bevor sie die Eichenstelen gegen welche aus Beton austauschen. Bevor sie Automaten aufstellen.

Bevor alles so wird, wie es eben bei uns ist: sauber, glatt und bequem. So lange alles noch so ist, wie es eben ist: dreckig, laut und schön hässlich – hässlich schön.

Fahrt hin, um euch die Bahngleise anzuschauen, kleine Biotope, die einen Freund allen Ernstes dazu veranlasst haben eine Doktorarbeit mit dem Titel „Flora und Fauna der rumänischen staatlichen Eisenbahn“ zu schreiben. Ja, sowas gibt es, mehr oder weniger mitten in Europa und nicht in Südamerika oder sonstwo. Eine andere Welt vor unserer Haustür. Mit Durchsagen, die kein Mensch versteht, verkrusteten Fenstern, wahnwitzigen Mustern an den Sitzen, unglaublichen Bahnhofskiosken, wo  mitten in der Nacht spontan die Tische beiseite geschoben werden, wenn mal zufällig feierlustige Touristen ihren Zug verpasst haben und die Zeit mit Tanzen totschlagen wollen. Eine Welt, in der man mit der Kreditkarte nicht weiterkommt.

Und noch zwei Sachen, die man nicht außer acht lassen sollte: Wenn man von Deutschland mit dem Zug nach Rumänien fährt, kommt man unweigerlich an Budapest vorbei. Budapest, meine schöne Heimatstadt! Diese Stadt allein ist ja schon eine Reise wert, das hat sich ja mittlerweile rumgesprochen, aber man sollte dennoch weiterfahren, richtig rein in den Osten Europas, der in Wirklichkeit sein Herz ist.

Denn dort erwartet einen die zweite Sache, die ich hier erwähnen wollte: das WARTEN. Man lernt wieder zu Warten und es sich dabei gutgehen zu lassen. (Mit der DB lernt man auch das Warten, aber alle nörgeln.) Man wartet auf den meist verspäteten Zug, holt sich ein leckeres rumänisches Bier, schaut einfach nur den Leuten zu und der Sonne dabei, wie sie mit ihrem Gang die Stimmung ändert. Und wenn man lange genug wartet, kommt irgendwann der Moment am späten Nachmittag. Dann steht die Sonne im perfekten Winkel und taucht alles in ein Licht, das selbst den hässlichsten Betonbunker namens Bahnhof in einen angenehmen Ort verwandelt.

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9 Comments leave one →
  1. October 25, 2010 04:39

    muy lindas fotos katy!
    sobre todo las dos primeras…
    un abrazo grande!

    • October 25, 2010 15:39

      Hola Rafaa! Que pena que no entiendes el texto (o si? ;- )…. así las fotos quizás no son muy especiales. Son de mis varios viajes a Rumanía y explico la gran aventura que es tomar el tren en este país tan lindo.
      Un beso

  2. Kati permalink
    November 8, 2010 23:23

    Ay Kati.
    Feljöttek bennem az emlékek az utazásunkra.
    Igen, ezért jöttem Pestre. Még most. Mielőtt egy Bécs lesz belőle,
    vagy ne adj isten egy München. 🙂
    Imádlak!
    Puszi

  3. Regina permalink
    November 16, 2010 12:33

    Milyen jó tudni, hogy abban a messzi szférában, amit EU-nak hívnak, ilyen gondolkodású emberek is vannak mint te Kati (ill. Ti Katik) !

    Droit de l’UE, le mardi 19-22 H, grand Amphi, több száz ki-vagyok-mi-vagyok ember, a laptopok billenentyüje verése, nulla gondolkozás, csupán WackelDackel-kodás…

    Hiányoztok!!!

    • November 16, 2010 13:41

      Regina, te tulajdonképen mit csinálsz, hol vagy (Párizs, nem?), mért vagy ott, mikor jössz vissza? Sok puszi, azért remélem valamilyen cserkészakción valamikor talizunk

  4. Peti permalink
    November 22, 2010 22:05

    Hi Kati!

    Especially the third picture from the top reminds of a great party we had together with Kati at the train station of the little village called Alvinc in hungarian, Vintu the Jos in romanian. We arrived there lately from the beautiful village of Nagyszeben (Sibiu), had to change to another train heading to Marosvásárhely (Tirgu Mures). We waited there all night long. After a few sips from a bottle of wine, meating some friendly local gypsies and with an old ghetto-blaster howling some romanian party songs, we had a great time in Alvinc. That was awesome!

    I like Transylvania very much. Aah, memories…

    Greets from your brother

    • November 23, 2010 09:27

      Azt hiszem te csináltad ezt a képet! Puszi

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